So werden Marken zum Statement

Eine bekannte Marke zielt in ihrem Werbespot mit starkem Storytelling auf aktive, selbstbewusste Frauen. Ein beeindruckender Spot für alle, die trotz Hürden ihren Weg gehen.
Gekürzt geht der Spot so: «Wenn wir Gefühle zeigen, nennt man uns dramatisch. Wenn wir im Sport gegen Männer antreten, sind wir verrückt. Und wenn wir von Chancengleichheit träumen, irrsinnig. Wenn wir für etwas einstehen, hält man uns für verwirrt. Und wenn wir zu gut sind, ist etwas nicht in Ordnung mit uns. (…) Nun denn, wenn sie dich verrückt nennen wollen, zeig ihnen, was verrückt wirklich kann. «It’s only crazy until you do it». «Es ist nur verrückt, bis du es tust.»
Als ich den Nike-Spot zum ersten Mal sah, stellten sich mir die feinen Härchen auf den Armen. Aus folgendem Grund:
Verrückt und verlockend
Als 16-Jährige spielte ich oft auf dem öffentlichen Eisfeld «Fangis». Wacklig jagten wir einander, während die flinken Jungs nebenan übers Hockeyfeld flitzten. Ich schaute ihnen zu und wünschte mir, mit ihnen mithalten zu können. Doch Mädchen spielten damals kein Eishockey. Und Eiskunstlauf war mir zu einsam.
Ein Jahr später hing plötzlich ein Plakat im Eingang der Sportanlage: «EHC Bülach Lady-Team». Was war das denn? Ich sah näher hin und war überrascht. Frauen in Eishockeymontur, die Mitspielerinnen suchten. Das klang verrückt und verlockend zugleich. Ich meldete mich für ein Probetraining.
Keine Blessur, keine Blamage
In einer gemieteten Vollmontur stieg ich vorsichtig über liegende Hockeystöcke, mied das Gerangel um den Puck und fiel kein einziges Mal hin. Ich war zufrieden mit mir: keine Blessur, keine Blamage. Doch der Trainer sagte: «Übe noch ein Jahr im öffentlichen Eislauf und wenn du danach wiederkommst, spielst du mit.»
Im nächsten Probetraining gab ich mehr Gas, fiel mehrfach hin, stand schnell wieder auf und hoffte, dass der Trainer es nicht gesehen hatte. Natürlich hatte er es gesehen. Und genau deshalb nahm er mich ins Team.
Verrückt bis du es tust
Als Frau meiner Grösse passe ich nicht gerade ins Bild einer Eishockeyspielerin. Und doch blieb ich 15 Jahre lang am Puck – einfach, weil es mir Spass machte, übers Eis zu flitzen. «It’s only crazy until you do it». «Es ist nur verrückt, bis du es tust.»
Als ich den Nike-Spot zum ersten Mal sah, erinnerte ich mich und verstand: Marken werden zum Statement, wenn es ihnen gelingt, Geschichten zu erzählen, in denen sich Menschen wiedererkennen.
Perspektivenwechsel: Zuerst die Zielgruppe verstehen
Jeder Entscheidung gehen Erwartungen, Zweifel und Vorurteile voraus. Argumente können helfen, diese Spannungen aufzulösen, doch manchmal genügen sie nicht. Storytelling setzt früher an. Indem es die Perspektive der potenziellen Kundschaft einnimmt, zeigt es Verständnis für ihre Wünsche und Hürden. Die Marke stellt es als Helferin dar. Genau wie Nike.
Jedes erste Gespräch ist kostenlos.
